Doña Monika 2025 für die Schülerin Sham Muaika
Immer weniger der hier Anwesenden hatten das Glück Monika Decleir, oder auch altersabhängig schon Monika Seidensticker, persönlich kennenzulernen. Denen sagen wir Eingeweihten: Ihr hättet sie gemocht. Monika war eine Naturgewalt.
Ihr Sekretariat war die Hauptschaltzentrale der Schule, so wie heute auch wieder. Alles und jeder musste an ihren wachsamen Augen vorbei – Lehrkräfte, Schülerschaft, Eltern, Hausmeister, Handwerker, Verlagsvertreter und wer oder was auch immer sich sonst noch ins Gebäude verirrte. Und das war auch gut so, denn Monika hatte ein sehendes Herz und beherzte Hände.
Besonders die SchülerInnen hatten in ihr einen Fels in der Brandung. Bei ihr gab es mehr als Schul-bescheinigungen, Antragsformulare, ein Telefonat nach Hause oder einen Kühlpack für diverse Bles-suren. Neben Kaffee oder Tee, einer „geheimen“ Schachtel mit Pralinen in der untersten Schreib-tischschublade und geradezu magischen Mengen an Taschentüchern und weiblichen Hygieneartikeln hatte sie immer das richtige Wort – auch wenn es gerade nicht das war, was man hören wollte.
Diplomatie war nicht ihre Sache, dafür war ihr das Leben zu wichtig. Sie predigte nie etwas, das sie nicht auch selbst tat und verlangte nie Dinge, die sie selber nicht leisten konnte. Lob und Tadel aus ihrem Mund hatten das Gewicht einer Therapiedecke.
Vielen Schülerinnen und Schülern war sie ein Vorbild. Allen war sie eine Hilfe. Unser Gründungsmitglied Nummer 1 hat Spuren in vielen Leben hinterlassen und wir wollen nach wie vor, dass sie stolz auf uns ist. Denn wir sind stolz auf sie.
Genau aus diesem Grund verleihen wir auch in diesem Jahr wieder den Preis, den wir nach ihr benannt haben – keine Statue, keine Tafel, nichts Statisches und Unveränderliches, sondern etwas Lebendiges. Die Doña Monika geht erstmals an eine Schülerin – ein Umstand, den Monika gefeiert und vermutlich als „längst überfällig“ bezeichnet hätte.
Sham Muaika ist genau die Sorte Mensch, die unsere Moni als „waschechten Vogelsänger“ bezeichnet hätte. Sie muss nie darum gebeten werden, irgendwo mit anzupacken oder zu helfen, denn sie war mit ziemlicher Sicherheit diejenige, der das Problem überhaupt aufgefallen ist.
Bei der SV-Veranstaltung fehlen noch Freiwillige? Sham organisiert das schon. Für den Tag der offenen Tür fehlen noch Tische? Sham ist schon auf dem Weg in den Keller, mit Helfern und Putzlappen. Klassenpatin für die 5er? Macht sie natürlich, was für eine Frage. Die Kids kommen ihr über den Schulhof hinweg entgegengelaufen und vertrauen ihr mit allem, was den Anfang in einer neuen, großen Schule schwer machen kann.
Fürs Erasmusprojekt Bäume pflanzen? Aber sicher. Wie viele dürfen es denn sein?
Nein, kein Problem danach verdreckt und mit Blasen an den Händen noch eine Aufführung der Theater AG hinten dran zu hängen. Sham macht das schon.
Ob sie Klassensprecherin ist? War die Frage ernst gemeint?
Sham sieht wer Hilfe braucht, spürt wo Grenzen respektiert werden müssen, hört auch das, was nicht laut ausgesprochen wird und weiß oft bis immer, wo ihr Platz im großen Ganzen ist. Ich höre Moni sagen „Kind, denk auch mal an dich.“ Und ich höre Sham sagen „Keine Sorge, mir geht’s gut.“
Liebe Sham, Monika hätten dir gesagt, dass du ein ganz fantastischer Menschen bist und sie froh ist, dass das Schicksal dich nach vielen Irrungen und Wirrungen ausgerechnet zu uns ans Gymnasium Vogelsang gebracht hat. Weil sie das nicht mehr kann, tun wir das jetzt in ihrem Namen.
Wir sind stolz auf und dankbar für dich und legen den Preis deshalb heute in deine beherzten Hände.
